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Antrag: Schaffung eines landkreisweiten Biotopverbunds

Sehr geehrter Herr Landrat,

auf Basis des Volksbegehrens zum Artenschutz ("Rettet die Bienen!") hat der Bayer. Landtag das Bayer. Naturschutzgesetz (BayNatSchG) sowie ein Gesetz zugunsten der Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern (Gesamtgesellschaftliches Artenschutzgesetz – Versöhnungsgesetz) verabschiedet. Zur Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgaben im Landkreis Dachau stellt die ÖDP-Fraktion folgenden Antrag:

Der Landrat möge ein Konzept erarbeiten und dem Kreistag vorstellen, wie der geforderte Artenschutz umgesetzt werden kann. Schwerpunktmäßig soll insbesondere auf die Schaffung eines landkreisweiten Biotopverbunds eingegangen werden.

Es sollen dabei unter anderem folgende Punkte behandelt werden:

  • Welche kooperativen Maßnahmen werden in kreiseigener Initiative mit dem Land angedacht?
    Hierzu stellt der Landrat dem Kreistag das Konzept der unteren Naturschutzbehörde zur Umsetzung eines Biotopverbundes gemäß Art. 19 BayNatSchG vor.
  • Wie können die weiteren vom BayNatSchG geforderten Ziele für einen besseren Arten- und Biotopschutz umgesetzt werden?
  • Welche Flächen in Besitz des Landkreises können in das angestrebte bayernweite Biotopverbundnetz eingebracht werden?
  • Wie können die Gemeinden dazu gewonnen werden, auch ihre Flächen hierzu einzubringen?
  • Außerdem sollen Vorschläge gemacht werden, wie auch private Besitzer von geeigneten Grundstücken verstärkt dafür gewonnen werden können, zu diesem Biotopverbund beizutragen.
  • Inwieweit können diese neuen Herausforderungen mit dem vorhandenen Personal und den bisherigen Haushaltsmitteln realisiert werden?
  • Im Gesetz (Art. 5d) sind Biodiversitätsberater vorgesehen, welche in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, insbesondere mit den Eigentümern, die beschriebenen Ziele und Maßnahmen umsetzen und den Aufbau des Biotopverbunds begleiten sollen. Werden für diese Biodiversitätsberater neue Stellen in der unteren Naturschutzbehörde geschaffen und bis wann werden diese besetzt?
  • Wie wird sichergestellt, dass die im Gesetz vorgesehenen Fördergelder Im Landkreis Dachau ankommen und sinnvoll eingesetzt werden können (lt. Art. 5b)?

Begründung:

Art. 19 BayNatSchG fordert unter anderem: „Der Freistaat Bayern schafft ein Netz räumlich oder funktional verbundener Biotope (Biotopverbund) ... Für die Auswahl von Flächen hat der funktionale Zusammenhang innerhalb des Biotopverbunds besonderes Gewicht. Zur Umsetzung sollen unter anderem entlang von Gewässern, Waldrändern und Verkehrswegen Vernetzungskorridore geschaffen werden. Die Umsetzung erfolgt im Wege kooperativer Maßnahmen."

Im Landkreis Dachau sind dabei besonders die Waldränder von Bedeutung. Herr Otto Mayrhofer aus Karlsfeld hat dankenswerter Weise eine Studie mit dem Titel "Landkreis der Waldränder" ausgearbeitet. Dieses Werk liegt dem Landratsamt vor.

Herr Mayrhofer kommt in dieser Arbeit zu dem Schluss, dass der Landkreis Dachau trotz eines sehr geringen Waldanteils äußerst viele Waldränder hat. Es gibt im Landkreis keine großen, geschlossenen Waldgebiete. Aber trotz einer insgesamt niedrigen Summe aller Waldflächen entsteht aus der extremen Lagezerstreutheit eine große Summe an Waldrandlänge.
So hat Herr Mayrhofer im Landkreis Dachau insgesamt 279 einzelne, von den Nachbarn getrennt liegende Wälder gezählt. In Summe handelt es sich dabei eine Waldfläche von 94 km² (16 % der Landkreisfläche von 579 km²). Bei einer Überschlagsrechnung (Abschätzung der durchschnittlichen Waldrandlänge für die Einzelwälder) ergibt sich eine Gesamtwaldrandlänge von über 600 km.

Damit kommt Herr Mayrhofer zu dem Schluss, dass die naturräumliche Bedeutung der Wälder im Landkreis vor allem darin liegt, dass sie ein großes Potential an Waldrand-Lebensraum besitzt. Dieses Potential gilt es bei den Überlegungen zur Schaffung eines Biotopverbundes in Verbindung mit den Randstreifen von Gewässern und Verkehrswegen zu nutzen.

Die Waldränder sollten zu einem großen Teil in ausreichender Breite zwischen dem Forstbestand und der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzung mit Waldsäumen aufgewertet werden. Auch Waldrand begleitende Wege können vitale Waldsäume zusätzlich begünstigen.

Das erfolgreiche Artenschutz-Volksbegehren ("Rettet die Bienen") hat gezeigt, dass große Teile der Bevölkerung mehr Einsatz für den Artenschutz fordern. Die Umsetzung der vom Landtag beschlossenen Maßnahmen müssen nun lokal bei uns im Landkreis vorangetrieben werden. Wichtig ist aus unserer Sicht dabei, dass für die Bürger schnell erste Umsetzungsschritte sichtbar werden.

Insbesondere das Schaffen eines landkreisweiten Biotopverbundes ist eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe. Dazu sind viele unterschiedliche Akteure nötig. Aus diesem Grund hält die ÖDP die öffentliche Diskussion zu diesem Thema für enorm wichtig. Ein guter Auftakt hierzu erscheint uns die öffentliche Information in einer Kreistagssitzung. Damit sind schon mal erste potentielle Multiplikatoren für die Landkreisgemeinden und die Öffentlichkeit über das Thema informiert.

Mit freundlichem Gruß

Georg Weigl
für die Kreistagsfraktion der ÖDP

Der Antrag als pdf-Download

Georg Weigl


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